Halt den SchnabelHalt den Schnabel | |||
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Halt de Schnabel, wänn i fahre D'Mama Huehn mit em Hüehnli
Refrain: D'Mama Huehn seit zum Hüehnli, Refrain:
D'Mame Huehn seit zum Hüehnli Refrain:
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Halt den Schnabel, wenn ich fahre.
Refrain:
Refrain: Refrain:
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INTERPRETATIONDas Lied ist mir aufgefallen wegen den Widersprüchen, den Ängsten und Drohungen, die dann wieder mit Hilfe der Ratio verdrängt und vertuscht werden. Es ist ein geradezu klassischer Text, der Auskunft gibt über unsere kollektiv psychische Struktur, unserer Denk- und Reaktionsweise auf verdrängte Gefühle. Da das Lied an kleine Kinder gerichtet ist, fühlten sich die beiden Autoren gezwungen, mit möglichst krassen Bildern zu operieren. Und diese Bilder sagen auch aus, was IST. Das Huhn und das Hühnchen, die auf einem Baumstamm sitzend einen gefährlichen Fluss inmitten eines Urwald überqueren wollen, zeigt den Straßenverkehr als lebensbedrohliche Situation von urtümlicher Archaik, eine Situation, die im Grunde besagt, dass wir dem Straßenverkehr eigentlich gar nicht gewachsen sind, denn was haben zwei Hühner auf einem Baumstamm auf einem gefährlichen Fluss mitten im Urwald zu suchen? Das Kind das schwächstes Glied in unserer Gesellschaft ist häufig auch das Opfer, denn es lebt in einer Welt, die sich an den Idealvorstellungen Erwachsener orientiert, die die Umwelt nach ihren Bedürfnissen einrichten, in der das Kind keinen Platz hat. Das Lied impliziert das bekannte Klischee vom gut verdienenden Ehemann, dessen Frau es sich leisten kann, an einem gewöhnlichen Nachmittag mit dem Kind spazieren zu fahren. Die Mutter hat den Ausflug geplant und führt ihn jetzt aus. Das Kind will aber spielen - vielleicht spielt es gerade "autofahren", wie es die Mutter auch tut. Da droht die Mutter dem spielenden Kind: "Bist im Schwatzen nicht der Beste - jetzt ist Ruh auf allen Plätzen!" Dieser Satz ist bar jeder Logik: In der Drohung erinnert sie an das Ideal unserer Gesellschaft „der/die Beste zu sein“, hier der Beste im Schwatzen zu sein, andererseits spricht sie ihm dieses ab, und baut damit ihr Verbot auf. Die Strafandrohung geht aber weiter: "wenn nicht sofort aufhörst zu schwatzen, gehen wir nie mehr auf eine Reise!" Dies ist Unsinn, denn die Mutter wäre mit dieser Drohung bestraft. Außerdem lebt das Kleinkind ausschliesslich in der Gegenwart, so dass es die Drohung gar nicht versteht. Ist es etwas älter, weiß es aus Erfahrung, dass die Mutter lügt. Zwischen Reden und Handeln, zwischen Denken und Wollen besteht also eine tiefe Kluft. Eine weitere Diskrepanz liegt darin, dass der Urwaldfluss etwas natürlich Gegebenes ist, während der Straßenverkehr zur menschlichen Zivilisation gehört. Der Urwaldfluss als Metapher für die Autostrasse stellt die Autostrasse als etwas natürlich Gegebenes dar. Urwald, Natur vermittelt in unserer modernen Gesellschaft das Gefühl von Heil und Lebensnähe. Und diese Ebene der Metapher soll das Bedrohliche abwehren, sie soll wie in einer Werbung sagen, dass der Urwaldfluss für Huhn und Hühnchen genauso "ungefährlich" sei wie das Autofahren. Doch die andere Ebene sagt uns, dass das "Autofahren" weit gefährlicher, archaischer ist, als wir es wahrhaben wollen. Da Symbole raum- und zeitlos sind, drückt die Metapher die gefährliche Situation der Bedrohung des Autofahren als auch ein allgemeines Lebensgefühl aus, das wir nicht eingestehen können. Wie tief das Bild ins kollektive Unbewusste reicht, erkennt man an der archaischen Situation, in der zwei (angeblich) so harmlose Tierchen in der Wildnis spazieren fahren. Das Tier repräsentiert die magische Bewusstseinssphäre (2). Im magischen Bewusstsein ist das Tier Totem und somit kollektiver Ich-Träger wie auch dessen Schattenträger. Diese Struktur kommt im Verlaufe des Liedes folgendermaßen zum Ausdruck: Das Kind begreift nicht, dass es nicht spielen soll und macht weiter. Die Mutter erfährt dies als Widerstand und reagiert entsprechend: "Und die Mutter sagt zum Hühnchen, das ist kein lustiges Spiel!" Dabei entwertet sie das kindliche Spiel zugunsten des Spiels der Erwachsenen, dem Autofahren mit der Begründung, es gehe auf Leben und Tod: "Ich muss unseren Baumstamm führen, muss ihn direkt durch die Wellen steuern. Wenn ich das Gleichgewicht verliere, frisst uns beide das Krokodil!" Auf der Schattenebene geht es also um das archaische Motiv von "fressen und gefressen werden", wobei die Gefahr zweifach besteht, nämlich in den bedrohlichen Wellen, die die beiden verschlingen könnten und somit an die Sintfluterzählungen erinnert, welche die Menschheit ertränkt, und im Krokodil, das sie auffressen will. Da das Krokodil ein anderer Autofahrer/eine andere Autofahrerin ist, fallen die Bilder vom Huhn und Krokodil zusammen. Das Böse wird hier nach außen projiziert, auf die anderen, obwohl das Mutter-Huhn für die anderen genauso zum Krokodil werden kann.
21. Juli 2000 Text und Gestaltung: Esther Keller-Stocker, Horgen (Schweiz) Ich freue mich auf Ihren Kommentar, Ihre Anregung! esther@estherkeller.ch |
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