![]() |
KAPITEL III: DAS PRINZIP DER ZEIT"Das Prinzip der Zeit" ist ein sehr schönes Kapitel über die Grundordnung nach den drei Mondphasen als Zeitordnung. 1. Die Grundordnung nach den drei MondphasenDer Mensch, der sich im Raum orientierte, wird auch erkannt haben, dass er im Strom der Zeit stand. Die Sonne, die ihm die Richtung gewiesen hatte, fixierte zugleich einen Zeitabschnitt, den Tag. Für die Einteilung der Zeit in längere Perioden bot sich als Massstab der Mond an. Sein kontinuierlicher Wechsel stand allen Geschöpfen vor Augen, aber nur der Mensch war fähig, ihn bewusst zu erleben und aus den vielen ähnlichen Formen ein bestimmtes Prinzip zu erfassen, das sich regelmässig wiederholte. Er sah also nicht nur die 27 Mondformen, sondern erkannte das Strukturbild des zunehmenden, vollen und abnehmenden Mondes und erlangte damit den allgemeinen Begriff der drei Mondphasen. Sie ermöglichten die Gleiderung des Zeitablaufs nach dem Schema der Drei. Mit der Drei war ein Schema entstanden, das, aus der Tiefe menschlicher Existenz kommend, in allen Formen kultureller Entfaltung nachzuspüren ist. Es bestimmte auch das geistig-seelische Erleben und die entsprechenden Handlungen. Das begann mit vagen Erscheinungsformen im Altpaläolithikum und lässt sich kontinuierlich verfolgen.
In der alten ägyptischen Kultur wurde der Mondgott auch "der Schreiber" genannt, denn durch die drei wechselnden Lichtgestalten "schrieb" er die Zeitordnung an den Himmel. Ähnliche Beobachtungen können auch die Gläubigen in den Kulthöhlen der Ile-de-France bewegt haben, nur mussten die Ausdrucksformen dafür erst gefunden werden. Die Genauigkeit der drei verschiedenen Mondformen fehlte noch, aber das Grundprinzip der drei dürfte vorhanden gewesen sein, als Kommunikationsmittel standen die geraden Linie und das Schälchen zur Verfügung. Daraus liessen sich zahlreiche Figuren bauen, die, obwohl äusserlich verschieden, doch dem gleichen Gedanken entsprachen. Die Überlieferung konnte sich der einen oder anderen Form bedienen, ohne dass es, wie Positivisten annehmen, zu einem Bruch in der Überlieferung des Gedankens kam, weil die Ausdrucksform wechselte. Am Anfang der geistigen Genese muss eine allgemeine Orientierung gestanden haben, aus der sich der universale Begriff ergab. Zum Gedankeninhalt des primären Weltbildes gehörte, die ihm innewohnende Macht. Ihr fühlt sich der Mensch ausgeliefert. Daraus ergab sich ein Gefühl der Abhängigkeit, aber auch der Verbundenheit und der Verpflichtung. Die Begegnung mit dieser unsichtbaren Kraft erforderte ein besonderes Verhalten, den Kultus, und den von der alltäglichen Welt abgeschlossenen symbolischen Raum, den Kultraum. Um das Unsichtbare ansprechbar zu machen, es zu vergegenwärtigen, musste es als Kultbild symbolisch dargestellt werden. Die ältesten Fundgegenstände sind Sphäroiden. Sie sind keine Werkzeuge und mussten, so nimmt man an, kultischen Zwecken gedienten haben. Die ältesten stammen aus einer altsteinzeitlichen Kultur, dem Acheuléen, die vor etwa 300 000 Jahren begann.
2. Die Bildsymbolik des Jungpaläolithikers
Kopiert aus www.la-vieille-auberge.com/.../ lascaux/images/lascaux.jpg Was hat die Drei beim Stierbild zu suchen? Die Frage führt wieder zur Beobachtung zurück. Während die Raumordnung unanschaulich war, bot der Mond dem Auge sichtbare Formen. Man konnte ihn aber nicht mit der Hand erreichen, um seinen wahren Charakter zu ergründen, dafür war der Phantasie Tür und Tor geöffnet. Alle Zeiten dachten sich Vergleiche aus und schufen lunarsymbolische Bilder. Der Jungpaläolithiker machte den Anfang damit. Im Laufe des Jungpaläolithikums wurden viele Vergleiche erdacht und entsprechend zahlreiche Tiere gezeichnet, die die Wölbung der Kulthöhlen überziehen. Im Saal der grossen Stiere ist der grösste Stierkopf mit "harfenförmig" gedrehten Hörnern wiedergegeben, die rot umrandet sind, so rot wie das Ideogramm vor der Stirn. Diese Anordnung der beiden Hörner entspricht der Form der gegenständigen Mondbogen. Sie ist auch vielen jungpaläolithischen Kultbildern festzustellen. Das führte dazu, dass sie wie "gedreht" auf den von der Seite gezeigten Tierkörpern stehen. So zerstörte die Bedeutung den natürlichen Zusammenhang der Körperteile Mit der Zeit wurden auch noch die Hufe der Tiere zur Aussage herangezogen, und auch dann "verdrehte" der Gedanke die natürliche Sicht. Marie E. P. König kommt nun auf den Fisch zu sprechen, der im jungpaläolithischen Kult eine Rolle gespielt hatte. Die Fische wurden als Opfergaben ins Wasser versenkt. Ein solcher Kultplatz war die Höhle Niaux in den Pyrenäen. An den Wänden der grossen" Rotunde" befinden sich die bekannten Bisonbilder, und in den nassen Lehm des Bodens wurden Fische eingeritzt. Sie stehen damit im räumlichen Zusammenhang mit den Gewässern der Tiefe, die als Quellen wieder zutage traten. Glaubte man im Wasser den Weg gefunden zu haben, der die Gestirne vom "Untergehen" im Westen zum "Aufgehen" im Osten führte, bezeichnete es den Ort, wo der Mond drei Nächte weilte und sich das Wunder der Erneuerung ereignete? Die Bisonstiere sind in Niaux durch Pfeile als sterbend gekennzeichnet, aber auf dem Boden konkretisieren die Fische den Gedanken vom Wasser, das wieder zum Licht emporführt. Im Jungpaläolithikum sind oft Fische dargestellt worden, und sie können der frühen Zeit entsprechend den allgemeinen Begriff des Chthonischen angegeben haben. Da gleich dem Stierbild auch die Dreiheit den Gedanken des Mondzyklus wiedergab, konnte das Bild des Fisches mit dem Ideogramm verschmelzen. Die Tierbilder sind mit dem Ende des Jungpaläolithikums nicht aus dem Kult verschwunden. Die Gestirne waren allen Menschen heilig, und die Kulturen am Mittelmeer bevorzugten die symbolische Darstellung im Bild. Frobenius hat die Kontinuität der Stierbilder bis nach Ägypten verfolgt, wo der "Apisstier" Zeugnis von diesen alten Zusammenhängen ablegt. Es blieb dabei noch eine gewisse Lücke in Vorderasien bestehen, die sich durch neue Grabungen in Südanatolien zu schliessen beginnt. In Catal Hüyük grub J. Mellaart eine stadtähnliche Siedlung aus, die schon in vorkeramischer Zeit angelegt wurde und zahlreiche Kultstätten enthielt, die vom Stierkult zeugen. Mellart schreibt, dass sich nirgendwo die konservative Geisteshaltung der Menschen besser zeigte als dort, wo Jägerkulturen sich mit Bauernkulturen mischten und das geistige Erbe des Jungpaläolithikers stark in Erscheinung tritt. Der anatolische Stierkult leitet über zu den Religionen des alten Mesopotamien, denen noch immer der Stier ein religiöses Symbol bedeutet. Ur war das Zentrum der Mondverehrung, dessen Symbol auch dort der Stier war. Wir haben einen sumerischen Text, der die Bedeutung dieses Bildes erklärt. Da man die Zeit am Mondwechsel ablas und die Mondbogen mit Hörnern verglich, heisst es, dass der Mond der "Himmelsstier" sei, der mit den goldenen Hörnern die Zeit bestimmt (S. 151-156) 3. Die Drei im Graphischen
den Mitteln der alten Zeit in Form von Strichen oder Punkten geschehen. Es sind besonders zahlreiche Kiesel gefunden worden, auf denen Punkte oder Striche zu dritt stehen.
Gewiss sah man auch die Antike im Dreieck ein "Gotteszeichen", aber man wusste nichts mehr von der Herkunft dieses Zeichens. Es war, wie wir jetzt wieder feststellen können, ältestes abendländisches Geistesgut. Es wanderte vom Westen nach Osten und kam, mit christlichem Geist erfüllt, wieder zurück. Doch wenden wir uns wieder den Höhlen der Ile-de-France zu. Die Möglichkeit, Kombinationen von drei geraden Linien zu finden, war mit den bis jetzt angeführten Beispielen noch nicht erschöpft. Das Dreieck liess sich auch verdoppeln. Vielleicht liegt dieser Idee wieder das Linienkreuz zugrunde. Im Schnittpunkt der beiden Geraden entstanden vier rechte Winkel je durch eine gerade Linie geschlossen wurden, entstanden zwei polar gerichtete Dreiecke. Ihre Spitzen berühren sich im Mittelpunkt. Das Zeichen war dann Kreuz und Dreieck zugleich, beladen mit umfassender Machtfülle. Genau gesehen bestand die Welt aus den beiden Hälften. wenn das Dreieck sakrales Zeichen für die Oberwelt war, so musste es die gleiche Bedeutung für die Unterwelt haben. Diese stand aber in der entgegengesetzten Halbkugel unter der oberen. Diese Polarität kam in der antithetischen Anordnung der Dreiecke zum Ausdruck. Es ergab sich daraus der Gedanke, dass die gleiche Macht beide Teile der Welt beherrschte, also die Herrschaft über die "ganze" Welt ausübte. Noch in den sumerischen Hymnen wird immer wieder betont, dass die Götter über beide Teile der Welt herrschen, über die Ober- und Unterwelt. Wie wir sahen, liess sich die Entwicklung des doppelten Dreiecks von den beiden sich schneidenden Weltachsen ableiten. Dieses Linienkreuz fand aber die Ergänzung durch die dritte Weltachse, die den Zenit mit dem Nadir verband und immer senkrecht steht. Sie konnte auch zwischen den beiden Dreiecken erhalten bleiben. Mit dem Siegeszug dieses Ideogramms durch weite Teile der Welt trat eine gewisse Sinnentleerung ein. Als aus dem graphisch dargestellten "Plan" das plastische Kultsystem wurde, verkümmert die nicht mehr verstandene senkrechte "Weltachse" und wurde zum "Griff". Wir finden solche Doppeläxte in vielen Kulturen, sie sind dann aber immer etwas Fertiges, Endgültiges, nur in der Ile-de-France erkennen wir die Herkunft dieses Symbols.
* Die Bilder stammen von www.antikefan.de/Bilder/ Knossos/knossos.html und www.torso-lit.de/to07s73.htm noch nicht erschöpft. Eine neue Variation ergab sich daraus, dass drei gerade Linien auf einen gemeinsamen Mittelpunkt bezogen wurden. Zwei Linien liefen dann ungefähr in der gleichen Richtung, die dritte stand senkrecht darunter. Es entwickelte sich ein Zeichen, das sich ungefähr der Form eines T nähert. (S. 156-184) 4. Das Sinnbild der Vollmondphase
Marie E. P. König stellt im Folgenden verschiedene Höhlenfresken von Bisons mit symbolischen Hörnern vor, die in das Jungpaläolithikum zurückverfolgen lassen, wie die Bilder zeigen. Die Hörner stellen die vier Mondphasen dar. Die gleiche Symbolik erscheinen auf keltischen Münzen, die Marie E. P. König eingehend beschreibt. Zum Beispiel ist auf der einen Münze die Vollmondphase durch eine "Blattspitze" gekennzeichnet, die sich hier durch die Schaftung deutlich als "Speerspitze" zu erkennen gibt. Wir finden diese "heilige Lanze" auch auf anderen Münzen. Auf einem ostkeltischen Silberstater der keltischen Bojer ist ein Reiter dargestellt, aber seine Figur ist stilisiert, jeder konnte sehen, dass kein wirklicher Mensch gemeint war. Er trögt die Lanze mit der ovalen Spitze wie ein Zepter in der Hand, und sein Reich ist die Welt, deren Ordnung durch Punktgruppen angegeben ist. Sie stehen zu dritt und zu viert, auch fehlt nicht das Ringkreuz. Durch die Geste der drei Finger hebt er die Bedeutung als Lunarsymbolik hervor.
Wenn man jedoch die Vordersicht des Tieres wählte, wie in der "Apsis" der jungpaläolithischen Kulthöhle "Trois Frères", Dép. Ariège, konnten die Hörner der Natur gemäss wiedergegeben werden, aber zwei Augen wurden sichtbar. Ihre Zahl musste korrigiert werden. Wie die Zeichnung von Abbé Breuil zeigt, ist nur das eine Auge vergrössert und hervorgehoben worden (S. 184-194). 5. Die Überlieferung geistiger Konzeptionen
6. Vom Dreieck zum Mutterschoss und weibliche Figuren
Im sumerischen Handerhebung-Gebet für Nanna, den Mondgott von Ur, heisst es: "Mutterschoss, der alles gebiert....". Sollte, mit diesem Gedanken beladen, das Dreieck zum "Schoss" des Himmels geworden sein? Eine solche Darstellung finden wir an der Deckenwölbung der Höhle Ronceveau bei Buthiers im Tal der Essonne. Dort steht ein tief eingeritztes Dreieck mit leicht gerundeten Ecken, das teilweise reliefartig herausgeschabt ist. Eine sorgfältig gearbeitete Schale bildet den Mittelpunkt, dünne Linien führen in diese Vertiefung hinein oder kommen heraus. Die Ähnlichkeit mit einer Vulva ist nicht zu übersehen. Dieses Zeichen ist umgeben von Kreuzen, Netzen und zu dritt gruppierten Linien. Lange, tiefe Schleifspuren am Boden der Höhle und Spuren zahlreicher Kultschläge bezeugen die Verehrung, die das Relief genossen hat. Die Form dieses Dreiecks legt den Vergleich mit der äusseren Gestalt der Höhle nahe. Dieser Fels ist, von der Seite gesehen, dreieckig, und in der Mitte befindet sich das runde Einschlupfloch. Vielleicht dachte man sich die "Welthöhle" als Spiegelbild des Mutterschosses. Der archaische Mensch fühlte sich noch im Kosmos geboren "wie das Kind im Mutterleib". Den Vergleich vom All mit dem Leib der Mutter kannte schon der Jungpaläolithiker. Er gab seinen Frauengestalten meist einen auffallend gerundeten Leib mit tiefem Nabel. Das führte zu der Annahme, dass damit nur eine schwangere Frau gemeint war, doch die Deformierungen der Figur beweisen, dass es sich nicht um eine alltägliche Erscheinung, sondern um eine Idee handelt, der Gestalt verliehen wurde.
Im Bild der Vase nicht gut sichtbar Isthar mit dem Dreieck, das im ganzen Alten Orient im 2. und 1. Jahrtausend v. Chr. allgemein bekannt war. Diese Abbildung stammt aus Larsa, 3. Jahrtausend v Chr. den hinteren Teil schmückt ein Stier mit den Mond-Hörnern. Text bearbeitet und gekürzt aus Marie E. P. König: "Am Anfang der Kultur" und Gestaltung der Webseite: Esther Keller-Stocker, Horgen (Schweiz) Ich freue mich auf Ihren Kommentar, Ihre Anregung! esther@estherkeller.ch |
Einführung
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||