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II. KAPITEL: DIE GEISTIGE ORDNUNG DES RAUMES1. Die Idee der Welt dargestellt im Sphäroid und die HalbierungIm Gegensatz zur Naturwelt ist die Kulturwelt eine Schöpfung des menschlichen Geistes. Sie ist eine Idee, und als solche begann ihre Entwicklung, wie die Begriffspyramide lehrt, mit dem universalen Begriff. Er wurde im Sphäorid objektiviert. Der Fortschritt brachte die steigende Prägnanz, d.h. die genauere Gliederung des Bekannten. Man fand, dass das All aus einem oberen und einem unteren Teil bestand, aus den zwei antithetischen "Schalen". Vom Himmel ausgehend, war es möglich, zur Beobachtung der Gestirne fortzuschreiten. Sie vermittelten ein festes Ordnungssystem, das durch Punkte und Linien fixiert wurde. Damit waren zugleich Kommunikationsmittel gefunden, die es ermöglichten, weitere Erkenntnisse festzuhalten. Es muss ein Grundplan vorgelegen haben, sonst hätte es keine Entwicklung geben können. Sinnlosigkeit bringt nichts hervor. Mit unserer Arbeit müssen wir dort beginnen, wo der Weltplan noch in seiner Struktur sichtbar geblieben ist, wo die Phantasie ihn nicht mit symbolischen Bildern erfüllt hat. Das gilt für die Kulthöhlen der Ile-de-France. Hier liegen im graphischen Ausdruck die Grundprinzipien. Alle Kulturen lassen sich darauf zurückführen. Sie differenzierten erst später. Wie verlief diese Entwicklung? Morphologisch-typologisch gesehne gleicht das Kind der Mutter. dagegen entdekct die psychogenetische Betrachtungsweise immer wieder neue Formen, ohne dass das Ältere überholt wäre. Der Zusammenhang kann deshalb meist nicht äusserlich gesehen, sonder muss verstanden werden (S. 75-77). Die Höhlen in der Ile-de-France sind sowohl der Grösse als auch der Anlage nach verschieden, aber die in diesen Räumen angebrachten Inzisionen zeigen übereinstimmende Merkmale, sie sind aus geraden Linien oder Schälchen zusammengesetzt.
Dem Sinne nach müssten sie beide zusammengehören, die "Oberwelt" über die "Unterwelt". (S. 78-82) Auch in den neolithischen Tempeln von Malta sind viele Schalen in den Boden gehauen worden. Manche mögen praktischen Zwecken gedient haben, aber gewiss nicht alle. Zu den symbolischen Schalen, der Abseite der Welt, gehörte die Wölbung der Oberseite, des Himmels. Diese wurde in Malta nicht aus dem gleichen Fels herausgehauen, sie wurde einzeln hergestellt und damit beweglich gemacht. Dann konnte man sie wie einen Deckel auf die Schale legen. Solche Halbkugeln wurden in den Tempelruinen verstreut gefunden und befinden sich jetzt im Museum. Ihre Bedeutung könnten wir nicht erklären, wenn nicht zum Glück in einem Fall die alte Anordnung erhalten geblieben wäre. Im Jahre 1901 wurde ein grosser unterirdischer Tempel ausgegraben, das Hypogäum von Hal Saflien, das ungefähr um 2000 v. Chr. angelegt wurde. Deises Heiligtum erstreckt sich in drei Etagen bis in eine Tiefe von neun Metern. Es war durch spätere Bestattungen vollkommen zugeschüttet worden und deshalb nicht gestört. Im letzten, untersten Geschoss, dem sogenannten Allerheiligsten, war nach J.D. Evans eine Schale in den Boden vertieft worden, auf der noch immer wie ein Deckel die Halbkugel ruhte. Die beiden spiegelgleichen Welthälften erforderten die Übereinstimmung von oben und unten. In Malta hatte deshalb der Tempel über der Erde sein Gegenstück im unterirdischen Heiligtum. Das ging so weit, dass die Architektur der oberirdischen Megalithfassaden der Tempel ihr Gleichnis in der Scheinarchitektur unter der Erde hatte, obwohl diese nicht gebaut, sondern aus dem Felsen herausgepickelt wurde. In diesen Tempeln sind erstaunlich viele Kugeln gefunden worden. Sie zeigen die Rundform, der auch der Plan der Tempelräume entspricht. Sie sind rund angelegt und bilden mit lagenweise nach innen vorgeschobenen Steinen die untersten Schichten für den Bau der Wölbung. Marie E. P. König vertieft die Beweise mit weiteren Beispielen (S. 78-83). 2. Die Weltordnung im Linienkreuz und Netz
der zusammengebrochenen Höhle, und doch sind alle Kanten abgerundet. Wie alt mögen sie sein? Wie sich beim Kreuz die beiden Achsen im rechten Winkel schneiden, so sind auch Liniengruppen oft gegeneinander um 90 Grad gedreht. Dadurch entstandein System von rechten Winkeln, Vierecken und Geraden, das schon oben angeführt sogenannte Gitter oder Netze.
3. Der UmlaufgedankeZur sichtbaren Gestirnbahn am Himmel gehörte die spiegelgleiche Bewegung, die die Gestirne vom Westen, wo sie versanken, zum Osten, wo sie wieder erschienen, zurückführte. Wie der Weg vom Werden zum Vergehen, so gab es die Rückkehr vom Vergehen zur Erneuerung. Dieser wichtige Gedanke, der die Lebenserneuerung beinhaltete, war schon im Linienkreuz als Anlage vorhanden und wurde mit der steigenden Prägnanz des Denkens genauer ausgedrückt. Da aber die Kommunikationsmittel beschränkt waren, musste mit Hilfe der geraden Linien die ganze Problematik von Tod und Leben festgehalten werden. Man wird sich schon sehr früh darum bemüht haben, einen graphischen Ausdruck zu finden, aber es ist für uns sehr schwierig den wenigen Linien die tiefe Bedeutung zu entnehmen. Keltische Münzen, denn die Kelten kannten noch die Sinnzeichen ihrer Vorfahren. Als Beispiel seien hier zwei Elektrum-Stater der Osismii angeführt, die in der Bretagne gefunden wurden. Vor der Brust der anthropomorphen Figur auf der ersten Münze steht das Linienkreuz mit den fünf Kardinalpunkten. Jede Achse dieses Kreuzes ist eine der nicht anschaulichen Weltachsen. der sichtbare Weg der Gestirne verlief dagegen im Bogen. Er ist hier als Ergänzung dem Kreuz beigegeben. Dieser Bogen ist auf einer anderen Elektrum-Münze des gleichen Stammes genauer bezeichnet. Ihm sind kurze Nebenlinien beigegeben, die schräg zur Hauptlinie stehen und sich dort ungefähr im rechten Winkel treffen. So entsteht das so genannte Fischgrätenmuster.
Dem Aufstieg musste aber unweigerlich der Abstieg folgen, beides ist nicht zu trennen, sie bilden das Gesetz des Lebens. Diese Verbindung der auf- und absteigenden Äste zur Einheit gibt ein anderes Ideogramm auf dem gleichen Kopf wieder. Es besteht aus zwei parallel laufenden Geraden, die mit Schräglinien besetzt sind. Auf der einen Seite zeigen die Scheitelpunkte nach oben, auf der anderen nach unten. Aber beide Teile gehören zusammen, denn die mittleren Schräglinien haben sie gemeinsam. Der abfallende Ast endet in einer Schale. Marie E. P. König zeigt anhand weiterer Beispielen wie das Aufsteigen und Absteigen des Lebens in parallelen Pfeilen dargestellt wird. Daraus folgert sie: Solche Zeichen, die den Umlaufgedanken als Weltordnungssymbol mit dem Viereck umschliessen, gibt es häufig in den Megalithbauten. Im Dolmen von Gavr'Inis steigen die mit Schrägstreifen besetzten Linien auf und ab. Sie weisen dort am Ort der Bestattung auf die kontinuierliche Folge von Tod und Leben. (S. 103-111) 4. Der Weltplan als Viereck mit den vier KardinalpunktenDas Linienkreuz war der graphische Ausdruck für ein allgemeines Orientierungsgesetz. Mit ihm hatte die Menschheit die wichtigste Entdeckung ihrer geistigen Existenz gemacht: Sie hatte den festen Punkt im All gefunden, den Schnittpunkt der Achsen, den Mittelpunkt des Kosmos, den Zentralpunkt der Kulturwelt. Von diesem Punkt ausgehend trennen sich die vier Richtungen. Sie markieren die vier Hauptgegenden des Horizontes, die vier Kardinalpunkte, die Vier. Dadurch hat die als Sphäroid noch diffus gedachte Welt eine steigende Gliederung erfahren. Durch das Gewicht der vier Kardinalpunkte entwickelte sich ganz langsam ein neues Ordnungsschema parallel zu den Netzen und Kreuzen. Man konnte in jedem der vier Punkte eine "Weltecke" sehen, und es ergab sich daraus das Modell der vier-eckig gedachten Kulturwelt. Dieser Begriff konnte mit dem Ausdrucksmittel der Frühzeit, der Linie, auch graphisch dargestellt werden. Indem man die vier Ecken, die vier Enden der Kreuzarme, durch gerade Linien verband, wurde das Ideogramm des Vierecks entwickelt.
Sie stammen aus vielen Zeiten, und man kann nicht sagen, wann das erste Viereck hier eingechliffen wurde. Jedenfalls muss es sehr alt sein, denn es ist noch unter stark verwitterten Schichten zu erkennen. Die Beobachtung lehrt, dass allen das alte Ordnungsprinzip der Vier zugrunde liegt: Vier Kreuzarme, vier Richtungen, vier Kardinalpunkte, vier Ecken der Welt, vier Seiten im Viereck, und viele Viererwerte im Netz. Die Vier ist der Nenner, das Ordnungsprinzip, das hier bei den meisten Ideogrammen zu finden ist. (S. 111-128) 5. Die Differenzierung des Weltplans und der fünfte Kardinalpunkt
geistiges Erbe aus dem Paläolithikum ist es in allen späteren Kulturprovinzen zu finden. Als Heilszeichen wird das das Schrägkreuz im Quadrat mit dem Mondzyklus in Zusammenhang gebracht. Die vier Dreiecke im Quadrat sind Kalender der Zeitordnung, einer neuen Weltordnung. Marie E. P. König zeigt an zahlreichen Münzen, wie die Kelten dieses Sinnbild übernahmen und in ihrer Symbolik eingliederten. Wie schon erwähnt, wird man mit einer Weltachse begonnen haben, der dann die Prägnanz durch die Kreuzung folgte. Diese führte zur Erkenntnis der Weltmitte, dem Schnittpunkt der Achsen. Genauer gesehen gab es auch einen Mittelpunkt des Himmels, den Zenit, und seine Abseite, den Nadir. Die Verbindung dieses höchsten Punktes mit dem tiefsten konnte man sich auch als eine gerade Linie denken und graphisch darstellen. Daraus ergab sich die dritte Weltachse, die Verbindungslinie der beiden Pole, die auch den zentralen Mittelpunkt schnitt. Sie stand senkrecht im Raum. Damit entstand ein weiteres Sinnzeichen.
Wenn wir die Entwicklung der Kultur verfolgen wollen, so müssen wir in weiten zeitlichen Dimensionen denken.
Die Höhlen in der Ile-de-France bieten uns die Möglichkeit, Einblicke in diese geistige Bewegung zu gewinnen. 14. Dezember 2003 Text bearbeitet und gekürzt aus Marie E. P. König: "Am Anfang der Kultur" und Gestaltung der Webseite: Esther Keller-Stocker, Horgen (Schweiz) Ich freue mich auf Ihren Kommentar, Ihre Anregung! esther@estherkeller.ch | Einführung
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