Der Baum war im Alten Orient eine Manifestation der Aschera, der "Königin des Himmels", der (brennende) Dornbusch ursprünglich eine Kultstätte dieser Göttin. Das Feuer, das den Busch nicht verzehrt, ist Symbol für Sexualität und Erotik. Ein Symbol, das zu dieser Göttin gehört.
Jahwe präsentiert sich in diesem kurzen Text als Gott, der verschiedene Vorstellungen aufnimmt. Jahwe als Gott der Väter hat hier eine besondere Bedeutung, da ein paar Kapitel weiter, der Gott der Väter als El Schaddaj bezeichnet wird (II. Mose 7,2, P). El Schaddaj heisst „Gottheit der Brüste“, ist also eine Göttin. Demnach verehrten alle drei Ahnväter eine Muttergöttin.
Sowohl die Geschichte vom brennenden Dornbusch als auch die vom Paradies handelt von einem wichtigen Baum und von einer Schlange. Auch sind die Namen Jahwe und Hawja (Eva) so ähnlich, dass von ein und derselben Gottheit gesprochen werden kann.
Der Autor beschreibt die Begegnung Mose mit dem brennenden Dornbusch zwar als Wunder, doch verschwindet der mythische oder der magische Aspekt fast ganz. Auch von den erotischen Feiern, die unter Bäumen stattfanden, ist hier nichts mehr zu spüren.
Wortschatz und die Vorstellung vom "Boten Jahwes" weisen auf eine späte Zeit. Auch "das Erbarmen Jahwes" und der göttliche Beschluss zur Rettung des Volkes weist auf die Zeit, die frühestens in die babylonischen Gefangenschaft anzusetzen ist. Die Rettung des Volkes ist ähnlich gestaltet wie die Visionen Sacharjas. Während Sacharja die Rettung in der Gegenwart sieht, projiziert der Autor des "brennenden Dornbusches" die Errettung des Volkes an die Anfangsgeschichte Israels.
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Mose aber sagte zu Gott: wer bin ich, dass ich zum Pharao gehen und die Israeliten aus Ägypten herausführen könnte? Da sprach er: Ich werde mit dir sein, und dies sei dir das Zeichen, dass ich dich gesandt habe: Wenn du das Volk aus Ägypten herausgeführt hast, werdet ihr an diesem Berg Gott dienen.
Mose aber sagte zu Gott: Wenn ich zu den Israeliten und ihnen sage: Der Gott eurer Vorfahren hat mich zu euch gesandt, und sie sagen zu mir: Was ist sein Name? was soll ich ihnen dann sagen? Da sprach Gott zu Mose: Ich werde sein, der ich sein werde. Und er sprach: So sollst du zu den Israeliten sprechen: Ich-werde-sein hat mich zu euch gesandt.
Der ganze Text ist aufgebaut in direkten Reden:
| Mose | Jahwe |
|---|---|
| V. 3: Ich will hingehen (asurah-nah) | |
| V. 5: Hier bin ich (hinneni) | V. 6 Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs |
| V 7: Ich habe das Elend meines Volkes in Ägypten gesehen.... und ihr Schreien über ihre Antreiber habe ich gehört. Ich kenne seine Schmerzen. | |
| V. 8: So bin ich herabgestiegen, um es aus der Hand Ägyptens zu erretten und aus jenem Land hinaufzuführen in ein schönes und weites Land, ... | |
| V. 9: Sieh, das Schreien der Israeliten ist zu mir gedrungen, und ich habe auch gesehen, wie die Ägypter sie quälen. | |
| 10. Und nun geh, ich sende dich zum Pharao. | |
| V. 11: ... Wer bin ich, dass ich zum Pharao gehen und die Israeliten aus Ägypten herausführen könnte? | V. 12: Da sprach er: Ich werde mit dir sein, und dies sei dir das Zeichen, dass ich dich gesandt habe: ... |
| V. 13: Mose aber sagte zu Gott: Wenn ich zu den Israeliten komme und ihnen sage: Der Gott eurer Vorfahren, hat mich zu euch geschickt, und sie sagen zu mir: Was ist sein Name?, was soll ich ihnen dann sagen | V. 14: Und er sprach zu Mose: ich werde sein, der ich sein werde. Und er sprach: So sollst du zu den Israeliten sprechen: Ich-werde-sein hat mich zu euch gesandt. |
| V. 15: Und weiter sprach Gott zu Mose: So sollst du zu den Israeliten sprechen: Jahwe, der Gott seiner Väter, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs, hat mich zu euch gesandt. Das ist mein Name für Immer, und so soll man mich anrufen von Generation zu Generation |
In der Selbstvorstellung definiert sich Gott als Jahwe, der Gott der Väter und andererseits in seinem Verhältnis zu seinem Volk. Er erbarmt sich seines Volkes und steigt hinab in das Reich des Elends, wie ein Sonnengott am Abend in die Nachtbarke steigt und durch die Unterwelt von Klagen und Weinen fahrt. Doch diesem Mythos ist der Autor entwachsen.
Da die Väter vorher ausdrücklich El Schaddaj angebetet hatten, wirkt der Text wie die Metamorphose einer Gottheit in eine neue Gestalt, nicht mehr El Schaddaj, Gottheit der Mutterbrüste sondern Jahwe ist Gott, der die Israeliten aus Ägypten führt.
Demgegenüber windet sich Mose vor dem göttlichen Auftrag. Er sitzt in der Falle. Nicht ungestraft hat er den Weg verlassen. Nun wird ihm eine Bürde aufgelastet, die ihn aus dem beschaulichen Leben eines Hirten und Schwiegersohns eines reichen Priesters herausreisst.
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Vers 14: "Ich bin, der ich bin", wirkt wie ein Einschub. "Ich bin, der ich bin" fasst Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zusammen, "ich war", "ich bin" und "ich werde sein". Nach Werner H. Schmidt ist hjh als Sein zu verstehen, das im Verhältnis zu jemand anderem steht, im Sinne von "dasein für". Da II. Mose 3 Befreiung aus der Not verheisst und göttlichen Beistands zusichert, ist ähiäh futurisch zu übersetzen, "ich werde sein, der ich sein werde" (1).
Was mir auffällt, ist die Ähnlichkeit des Namens JHWH und HWJH.
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Jörg Sieger schreibt in seinem Aufsatz "Jahweh" (2):
Die ursprüngliche Lesart "Jahwe" lässt sich aus dem alten hebräischen Verb "hajah" bzw. "hawah" zweifelsfrei erschliessen.
Hajah bedeutet "sein", "dasein" und hawah "Leben schenken". In I. Mose 3,20 wird die erste Frau von ihrem Mann "Hawjah (Eva) benannt mit der Begründung "denn sie wurde die Mutter alles Leben".
Und Adam nannte seine Frau Hawjah (= Eva), denn sie war die Mutter allen Lebens.
Doch "Mutter alles Leben" kann kein Mensch sein, schon gar nicht ein Mensch, der aus der Rippe eines anderen gebastelt worden ist. Bei "Mutter alles Leben" kann es sich nur um eine Göttin handeln, die Leben erschafft. Bei Eva handelt es sich also um die Muttergöttin, die hier im Text zur Ehefrau, dem Manne Untertan mutiert wurde.
Im Zweiten Buch Mose 3,14 nennt sich Gott Jahwe. Das Wort besteht aus denselben Konsonanten wie Hawjah. In II. Mose 3,14 nennt sich Jahwe auch "ich bin, der ich bin" (ähiäh aschär ähiäh). Die Formel ist selbstbezogen und männlich, während Hawjah aufs Leben also Du-bezogen ist und weiblich. Eva ist all ihrer göttlichen Funktionen enthoben und dem Manne untertan wie Israel Jahwe untergeordnet ist. In II. Mose 3 hört Jahwe das Jammern und Klagen und will helfen. Doch wie sieht seine Hilfe aus? Eine Inflation von Gewalt und Terror: So verhärtet Jahweh selber das Herz des Pharaos, um ihn und dessen Volk mit Seuchen und Plage zu strafen. Nachdem der Pharao samt seinem Heer letztlich ertrunken sind, meint man, dem Gott Jahweh sei Genüge getan. Doch die Furcht vor diesem Gott breitet sich berechtigterweise über die Nachbarvölker aus (II. Mose 15). Auch Israel leidet unter Hunger und Durst (II. Mose 16), doch jedes Aufbegehren wird mit Rache und Tod bestraft. Auch kann die positive Verheissung, wonach Israel in ein Land kommen soll, wo Milch und Honig fliesst, nur mit gnadenloser Gewalt erobert werden.
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Text und Design: Esther Keller-Stocker, Horgen, Zürich
(Schweiz)
Letzte Korrektur am 04.02.2010
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