Der Baum war im Alten Orient eine Manifestation der Aschera, der "Königin des Himmels", der (brennende) Dornbusch ursprünglich eine Kultstätte dieser Göttin. Das Feuer, das den Busch nicht verzehrt, ist Symbol für Sexualität und Erotik. Ein Symbol, das zu dieser Göttin gehört.
Jahwe präsentiert sich in diesem kurzen Text als Gott, der verschiedene Vorstellungen aufnimmt. Jahwe als Gott der Väter hat hier eine besondere Bedeutung, da ein paar Kapitel weiter, der Gott der Väter als El Schaddaj bezeichnet wird (II. Mose 7,2, P). El Schaddaj heisst „Gottheit der Brüste“, ist also eine Göttin. Demnach verehrten alle drei Ahnväter eine Muttergöttin.
Sowohl die Geschichte vom brennenden Dornbusch als auch die vom Paradies handelt von einem wichtigen Baum und von einer Schlange. Auch sind die Namen Jahwe und Hawja (Eva) so ähnlich, dass von ein und derselben Gottheit gesprochen werden kann.
Der Autor beschreibt die Begegnung Mose mit dem brennenden Dornbusch zwar als Wunder, doch verschwindet der mythische oder der magische Aspekt fast ganz. Auch von den erotischen Feiern, die unter Bäumen stattfanden, ist hier nichts mehr zu spüren.
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Der Text II. Mose 3 hat drei Themen:
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Im ganzen Alten Testament ist in dieser Erzählung die Häufung der verschiedenen Gottesnamen einmalig und weist auf eine Unsicherheit hin, was unter dem einzig wahren Gott Jahwe zu verstehen ist. Darüber hinaus beinhaltet "der brennende Dornbusch" viele Spannungen, Brüche und Wiederholungen, die von einer intensiven Bearbeitung des Textes zeugen (1). Ideen und Vorstellungen werden mehr oder weniger elegant ineinander geschoben. Ursprünglich ging es um die Erzählung eines kultischen Ortes, eines heiligen Baumes, aus dem die Komposition mit der Erwählung Mose zum Anführer Israels entstanden ist.
Der Verfasser des brennenden Dornbusches ist unbekannt und wird "der Jahwist" genannt. Mit dem "Jahwist" sind mehrere Verfasser einer gemeinsamen theologischen Schule gemeint, die vor allem das I. und II. Buch Mose prägten. Für die einen Exegeten lebte der Jahwist in der Zeit Salomons, für andere ähneln die Erzählungen des Jahwisten den Formen und Gedanken griechischer Philosophen des 6. Jahrhunderts vor Christus (2) und datieren deshalb den Jahwisten ins 6. Jahrhundert vor Christus.
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Der Jahwist, der im 6. Jahrhundert vor Christus wirkte, übernahm das Gedankengut der langen
prophetischen und geschichtlichen Tradition Israels und Judäa und
wandelte den vorgegebenen Stoff nach seiner theologischen
Überzeugung um oder erfand neue Gestalten und Erzählungen, die er
den Gläubigen in Judäa während und nach der Zeit der babylonischen
Herrschaft in Predigten vorgetragen hatte.
Was mir beim Jahwisten besonders auffällt (3), ist sein grosses Bemühen, aus dem vorgegebenen Traditionsgut die Idee eines idealen Patriachats zu gestalten. Er übernimmt zum Beispiel die Polemik vergangener Propheten und Geschichtsschreibern gegen Unzucht und Ungehorsam gegen Gott und formt daraus moralisch erhabene patriarchale Erzählungen.
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Die
Bibel und insbesondere die Texte des Jahwisten sind zur Zeit der
grossen Bewusstseinswende des 1. Jahrtausends vor Christus entstanden
(4). In diesem Zeitraum mutierte nach Jean Gebser das
menschliche Bewusstsein vom mythischen zum mentalen Bewusstsein
(5). Mircea Eliade sah die Bedingung einer solchen Mutation
im ausgeprägten Sonnenkult. Dieser Sonnenkult schuf den straff
organisierten Staat und das disziplinierte Denken
(6). Das mentale oder rationale Bewusstsein, wie es auch
genannt wird, hat seine Wurzeln im Archetyp des Grossen Vaters
(7), der seit dem 1. Jahrtausend vor Christus das Denken und
Fühlen der Menschen dominiert. In der christlichen Tradition Europas
stellt der Grosse Vater in der Figur von Gott Vater oder Jesus
Christus das numinose Über-Ich dar
(8). Horst E. Richter hat gezeigt
(9), wie sich der Mensch im europäischen Mittelalter vor Gott
fürchtete, seit der Aufklärung aber die vorgegebenen göttlichen
Fähigkeiten immer mehr zu eigen machte. Er wurde wie Gott einst zum
umgetriebenen Unterwerfer und Herrscher der Mater-ie.
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Text und Design: Esther Keller-Stocker, Horgen, Zürich
(Schweiz)
korrigiert am 03.02.2010
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